Ein literarisches Picknick mit der Schriftstellerin Lina-Sophie Jacobs

©Lina-Sophie Jacobs

An einem schönen Frühlingstag Ende Mai lief ich schnellen Schrittes Richtung Innenstadt. Die Geschäfte hatten wieder geöffnet und auf den Straßen waren einige Menschen, die die warmen Sonnenstrahlen genießen wollten. Ich ging zielstrebig an ihnen vorbei und blieb erst am Markt stehen, wo Lina schon auf mich wartete.

Wir sind uns bei Instagram über den Weg „gelaufen“; ich fand ihre Ohren-Sessel-Lesungen bei Youtube spannend und wollte gerne mehr über sie erfahren, also vereinbarten wir ein Treffen. Wir holten uns eine Pizza bei „Mamma Mia“ und machten uns – mit dem nötigen Abstand zueinander – auf den Weg zum Schlossgarten. Dort breiteten wir eine Decke aus und quatschten von Anfang an schon so viel, dass unsere Pizzen kalt wurden.

„Literarisches Picknick“ nannte Lina unser Treffen und ich fand es sehr passend. Denn nicht nur sie hatte etwas Selbstgeschriebenes mitgebracht, sondern auch ich. Wir tauschten unsere Texte aus und Lina erzählte mir, wie sie zum Schreiben gekommen ist. Schon in der Schulzeit erfand sie gerne Geschichte und entschied sich nach dem Abitur für ein passendes Studium (Germanistik und Ethnologie). Danach arbeitete sie bei verschiedenen Verlagen und auch ihr letzter Beruf, Werbetexterin, hatte viel mit Schreiben zu tun.

Lina liebt Wörter und versieht sie gerne mit doppelter, tiefgründiger oder witziger Bedeutung. Seit 2016 arbeitet sie an einem Erzählungszyklus (namens „Stapfenstreich“), der aus fünf Geschichten besteht, die am Ende ein Gesamtbild ergeben. Eine starre Erzählform zu wählen, kam für die Schriftstellerin nicht infrage. „Die fünf Erzählungen können beliebig aneinander gelegt werden. Doch obwohl sie sich zu einem Ganzen zusammenfügen, bleibt Vieles auch am Ende noch in der Schwebe.“

Der kreative Prozess des Schreibens macht ihr am meisten Spaß und Lina konzipiert sehr viel im Kopf, bevor sie etwas zu Papier bringt. Unterwegs macht sie auch schon mal Notizen in ihrem Handy, wenn ihr etwas Gutes einfällt, oder sie kritzelt ihre Ideen auf einen Zettel. Sie hält dabei Ausschau nach merkwürdigen Dingen, also Dingen, die es wert sind, bemerkt zu werden. Aus den gesammelten „Fetzen“ formt sie durch mehrfache Überarbeitung ihre Texte.

Einen Teil ihres Erzählungszyklus hat sie sogar schon veröffentlichen können. Im „Almanach“ des Göttinger Milieu Narratif ist ein Teil ihrer Schildkrötengeschichte „LMW 281 F“ erschienen. Darin geht es um…. Okay, stopp, stopp! Stapfenstreich, … LMW, …. Erzählungszyklus, … umso mehr ich von Lina über ihre Geschichten erfahre, umso mehr Fragen stellen sich mir. Und da sind wir wieder bei den Wortbedeutungen, die sich gar nicht immer so einfach erschließen lassen. Sie erfordern ein richtiges Eintauchen in die Geschichte und auch etwas Hintergrundwissen. Ich google also „LMW 281 F“ und komme auf die berühmte Theorie, dass Paul McCartney angeblich gestorben ist und durch ein Double ausgetauscht wurde. Daraufhin gesteht Lina, dass sie ein großer Beatles-Fan ist und dieses Detail deswegen hat einfließen lassen.

©Lina-Sophie Jacobs

Andere Teile von „Stapfenstreich“ haben auch schon ein Publikum gefunden, denn die liest Lina selbst in ihren eigenen Youtube-Videos vor. Die Idee dazu sei letzten Winter mit Freunden entstanden, erzählt sie mir und ich finde sowohl das Equipment (Ohrensessel, Schriftstellerin, Text) als auch das Setting (draußen in der Natur/Stadt) einfach perfekt. Wieso sollte Literatur nur zwischen zwei Buchdeckeln eingesperrt und ab und zu mit den Augen erkundet werden? Literatur darf und muss sich auch andere Wege suchen, um mit ihrer Leserschaft zu kommunizieren. Und das sieht auch Lina so. Neben den Videos hat sie nämlich auch noch eine Musikplaylist bei Spotify erstellt, die zu ihren Geschichten passt. (Hört da doch mal rein!)

Im Moment hat Lina den zweiten Teil ihrer Lesungen gestartet, „Ohne- Sessel“. Und wenn ihr wissen möchtet, wie es da weitergeht und wann und wo der gesamte Erzählzyklus erscheint, folgt Lina einfach bei Instagram , bei Youtube oder schaut mal auf ihrer Homepage vorbei!

Viel Spaß beim Lesen und Hören 😉

PS: Auf diesem Blog ist ja schon viel zu Museen, Theater und auch Musik geschrieben worden, doch die Literatur wurde als Teil meiner Sparte „Kultur“ bislang leider schmerzlich vernachlässigt. Das soll sich nun ändern! Ich möchte euch gerne in Zukunft mehr „Literatur aus Oldenburg“ vorstellen und habe eine eigene Kategorie dafür eingerichtet. Vorschläge, Wünsche, Interessen? Dann schreibt mir gerne über Instagram oder per Mail!

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